Genuss aus Südtirol
Lebensmittel aus Südtirol haben einen hervorragenden Ruf: Verantwortungsvoll erzeugt, köstlich im Geschmack. Während wir der Meinung sind, dass man auch Produkte aus dieser schönen Region nicht unhinterfragt loben sollte und der Ansicht sind, dass auch in Südtirol der Bio-Anbau noch stärker ausgeprägt sein dürfte, gibt es einige Erzeugnisse, die besonders herausstechen: Produkte mit dem Label des Roten Hahns, der Vereinigung Südtiroler Bauernhöfe.
Strenge Kriterien, Prüfung durch Fachkommission
Produkte unter der Marke Roter Hahn werden nach klar definierten Vorgaben hergestellt und vermarktet. Um das Siegel tragen zu dürfen, müssen mindestens 75 Prozent der verwendeten Rohstoffe aus eigener Produktion stammen. Bis zu 25 Prozent dürfen von anderen landwirtschaftlichen Betrieben in Südtirol zugekauft werden. Die Verarbeitung erfolgt vollständig am Hof selbst und ausschließlich in Handarbeit.
Vor der Vermarktung durchlaufen die Produkte eine Prüfung durch eine unabhängige Fachkommission. Diese erfolgt in Form von Blindverkostungen, bei denen Aussehen, Geruch, Konsistenz und Geschmack bewertet werden. Für die Haltbarmachung sind nur bestimmte Verfahren zugelassen, die den Charakter der Rohstoffe möglichst unverändert lassen. Der Einsatz künstlicher Zusatzstoffe ist nicht gestattet. Zudem gilt die Anforderung, dass sämtliche Roh- und Hilfsstoffe frei von Gentechnik sein müssen.
Darüber hinaus müssen alle gesetzlichen Auflagen erfüllt werden, die für die Direktvermarktung notwendig sind. Dazu gehören unter anderem Hygienevorschriften, Kontrollen sowie die erforderlichen Lizenzen für den Verkauf. Die Einhaltung dieser Vorgaben soll sicherstellen, dass die Herkunft der Produkte nachvollziehbar bleibt und die Verarbeitung transparent dokumentiert ist.
Große Produktvielfalt
Das Sortiment ist breit gefächert und umfasst sowohl pflanzliche als auch tierische Erzeugnisse. Dazu gehören Obst und Gemüse, Pilze, Fruchtsäfte, Sirup, Fruchtaufstriche, Trockenobst, Saucen, Wein, Cider, Bier, Essig, Tees und Gewürze. Im Bereich tierischer Produkte werden Fisch, Fleisch, Wurstwaren, Speck, Eier und Honig angeboten. Hinzu kommen Back- und Getreideprodukte wie Brot, Nudeln, Getreide sowie Speiseeis.
Auf der offiziellen Website sind die Produkte einzelnen Höfen zugeordnet. Dort finden sich auch Porträts der jeweiligen Bauernfamilien und Informationen zu den Arbeitsweisen sowie den Betriebsstrukturen. Diese Zuordnung erlaubt es, die Herstellungsschritte bis zum Ursprung zurückzuverfolgen und bietet Interessierten zusätzliche Informationen über die Betriebe.
Hier geht es zum Onlineshop mit den Roter Hahn-Produkten.
Drei Beispiele für Qualitätsprodukte:
Alte Polentasorten vom Römerhof

Am Römerhof bewahrt die Familie Giovanett eine fast vergessene alte Südtiroler Maissorte – den „Tirggplent“ – der vor rund 50 Jahren im Südtiroler Unterland verbreitet war. Diese orangeroten Maissorten gedeihen in der sonnigen Talsohle rund um Tramin, auf tiefgründigen, nährstoffreichen Böden. Trotz niedrigerer Erträge überzeugt der Mais durch einen besonders intensiven Geschmack.
Nach der Ernte werden die Maiskolben sorgfältig von Hand sortiert – nur die besten Körner gelangen weiter. In der hofeigenen Steinmühle wird das Korn mit traditionellen Methoden zu mehreren glutenfreien Mehlvarianten vermahlen: darunter feines Maismehl, „Plentnmehl“, Vollkorn-Plentnmehl und weißes Vollkorn-Plent. Die handwerkliche Verarbeitung und der Sortenerhalt machen diese Produkte zu echten Geheimtipps unter Polenta-Liebhabern.
Der Römerhof ist Teil der Qualitätsmarke „Roter Hahn“, und seine Produktpalette umfasst Getreide, Brot und Nudeln – alles hergestellt aus eigenem Anbau. Die Familie Giovanett ermöglicht durch diese Arbeit einen lebendigen Einblick in traditionelle Landwirtschaft. Zu Hause kümmert sich Christian um den Ackerbau, Mariagrazia übernimmt die Verarbeitung in der Mühle, Organisation, Verpackung und Auslieferung. Sohn Sebastian und Tochter Emma unterstützen tatkräftig bei Verkauf und Logistik.
Bio-Weingut St. Quirinus
Wein aus Südtirol hat eine zentrale wirtschaftliche und kulturelle Bedeutung für die Region. Auf vergleichsweise kleiner Fläche entstehen durch die alpine Lage, starke Höhenunterschiede und unterschiedliche Bodenarten sehr vielfältige Weinstile. Südtirol zählt zu den anerkanntesten Weinbaugebieten Italiens und weist eine hohe Qualitätsdichte auf, insbesondere bei sortentypischen Weiß- und Rotweinen.
Inmitten traditionsreicher Weinberge auf einem sonnigen Hügel über dem Kalterer See, nahe Oberplanitzing, liegt das familiengeführte Bio-Weingut St. Quirinus. Die Weinbauflächen der Familie Sinn erstrecken sich von Tramin über die Nordhänge des Kalterer Sees bis nach Terlan – ein wechselvolles Terroir mit kalkhaltigen, kiesigen Böden und porphyrischen Lagen, das den Weinen präzise mineralische Substanz verleiht.

Seit 2013 wird der Betrieb biologisch und biodynamisch geführt – ganz ohne chemische Reize, stattdessen mit biodynamischen Präparaten, gesunder Bodenpflege und einer ressourcenschonenden Gesamtstruktur.
In der modernen, aber funktional gebauten Weinkellerei profitierte man vom Hang zur Schwerkraft und effizienter Energieverwendung – so spiegelt sich bereits in der Architektur die Philosophie der Nachhaltigkeit wider.
Das Portfolio der Weine ist reich und vielfältig:
- Weiße Sorten sind unter anderem Chardonnay, Sauvignon Blanc, Pinot Bianco, Aromera, Johanniter, Souvignier Gris, Bronner und Pinot Grigio.
- Rote Sorten umfassen unter anderem Vernatsch, Lagrein, Pinot Noir, Merlot, Prior, Chambourcin und Cabernet Cortis.
- Besonders im Fokus stehen PIWI-Sorten (pilzwiderstandsfähige Reben), die auf ökologische Bewirtschaftung und Weinbausicherheit ausgelegt sind.
In der Kelterrei achtet Sohn Michael darauf, die im Weinberg erzielte Qualität möglichst unverfälscht ins Glas zu bringen – handwerkliche Feinfühligkeit trifft hier auf traditionelle Methoden und moderne Techniken, etwa bei Ausbau mit Edelstahl, Holz, Amphoren oder Mischformen daraus.
Offenheit und Gastfreundschaft sind bei St. Quirinus selbstverständlich: Weinverkauf findet direkt im Hofladen statt (Montag bis Samstag vormittags und nachmittags), und Führungen durch den Keller gibt es ebenfalls wöchentlich. Auf Anfrage sind sogar Übernachtungen möglich – ideal für Gäste, die hinter die Kulissen nachhaltiger Weinproduktion blicken möchten.
Kurz gesagt: St. Quirinus steht für biodynamische Leidenschaft, klare Herkunft und Vielfalt – Sortenreichtum, Respekt vor dem Terroir und handwerkliche Sorgfalt verbinden sich hier zu dichten, authentischen Weinen mit großem Charakter. Authentischer Bio-Weingenuss oberhalb des Kalterer Sees – mit Boden, Geschichte und Weinsinn im Glas.
Learner Hofkäserei

Am Südhang des Eggentals, auf rund 1.360 Metern Höhe in Deutschnofen, liegt der Lehrnerhof, Heimat der Learner Hofkäserei. Eingebettet in eine beeindruckende Dolomitenkulisse haben Stefan Köhl und seine Familie den Hof in eine lebendige Käserei verwandelt, die für handwerkliche Qualität, traditionelle Methoden und nachhaltige Landwirtschaft steht.

Grundlage für die Käseproduktion ist die Milch des Tiroler Grauviehs, einer alten Rasse, die am Hof gehalten wird, frisches Futter vom eigenen Land erhält und täglich Auslauf genießt. Die Milch wird innerhalb von höchstens 36 Stunden nach dem Melken verarbeitet, ergänzt durch selbst gezüchtete Kulturen und traditionelles Kälberlab.
Jeder Käse entsteht in sorgfältiger Handarbeit. Während der Reifephase werden die Laibe bis zu 70- oder 80-mal gewendet, gebürstet und gepflegt.

Der Reifekeller selbst ist ein besonderes Erlebnis: in zehn Metern Tiefe in den Fels gebaut, herrschen dort mit acht Grad Celsius und einer Luftfeuchtigkeit von rund 90 Prozent ideale Bedingungen für die Entwicklung von Aroma und Textur.
Das Sortiment der Hofkäserei umfasst rund zehn verschiedene Sorten, darunter den klassischen Deutschnofner Bergkäse, aromatische Varianten mit Kümmel oder Peperoncino, den „Latemar“, den „Stravecchio“ oder Spezialitäten wie den „Rosengarten“. Die Qualität der Produkte wurde bereits mehrfach ausgezeichnet, etwa beim Wettbewerb „Roter Hahn – Direktvermarkter des Jahres“.
Wer die Käsevielfalt direkt erleben möchte, kann den kleinen Hofladen besuchen, der von Montag bis Samstag am Vormittag geöffnet ist. Dort wird nicht nur verkauft, sondern auch eine enge Verbindung zwischen Produzenten und Gästen gepflegt. So wird der Lehrnerhof zu einem Ort, an dem authentische Südtiroler Käsekultur lebendig bleibt – geprägt von bäuerlicher Tradition, Transparenz und einem tiefen Respekt vor der Natur.
Einen sehr schönen Einblick in die Arbeit von Stefan Köhl bekommt man in diesem Film.
























