Gaspar´s
Das Restaurant Gaspar’s gehört zu den spannendsten Adressen in Vilnius. Küchenchef und Inhaber Gaspar Fernandes wurde im indischen Goa geboren und hat portugiesische Großeltern. In seiner Küche verbindet er die beiden kulinarischen Welten mit frischen, überwiegend regionalen Produkten. Das Ergebnis ist eine persönliche, moderne Küche mit kräftigen Gewürz-Akzenten und fein ausgearbeiteten Gerichten. Das nahe der Altstadt gelegene Restaurant wurde mit dem Michelin Bib Gourmand ausgezeichnet und steht exemplarisch für die internationale, selbstbewusste Entwicklung der litauischen Hauptstadt als Gourmetdestination.
Beispiele, die für die kreative Küche von Gaspar Fernandes stehen, waren die köstlichen Apéros aus unserem Besuch: ein knusprig-frittiertes Linsengebäck mit eingelegten Tomaten und ein paar Körnern Kaviar und ein kleines Tartelette mit litauischen Pfifferlingen und knusprigem Amaranth. Andere Gerichte aus seiner Karte sind Mungobohnen, gekocht in Kokos-Curry mit Fava- und grüne Bohnen, eine geräucherte Aubergine mit eingelegten Stachelbeeren und knusprigen Linsen oder Jaggery-Creme mit Passionsfrucht und Haselnüssen. Sehr empfehlenswert.
Nineteen18
Das Sternerestaurant mit dem beeindruckendsten Interieur ist das Nineteen18 in einem 400 Jahre alten historischen Gebäude. Man erreicht es durch einen tunnelartigen Gang, die Tische stehen (abgesehen von einem intimen Nebenraum) allesamt in einem großen Saal.


Die Küche ist offen und wird von einem langen Tresen umgeben, an dem ebenfalls Gäste sitzen. Die Tische werden punktgenau von Spots beleuchtet. Die Atmosphäre ist fast mondän und kosmopolitisch. Man wähnt sich eher in einer Millionen-Metropole als in dem recht beschaulichen Vilnius. Beeindruckend.
Vita Bartininkaitė und Justinas Misius, die vorher im „Pas Mus“ (siehe unten) kochten, haben hier das Zepter übernommen und ihren einzigartigen Stil bewahrt und weiter ausgearbeitet.
Den Auftakt machen einige konservierte Köstlichkeiten bei denen besonders ein knackiges Stück Gurke mit Holunder heraussticht (linkes Bild, auf 1 Uhr). Ebenso gut sind ein Stück Blutwurst, gereiftes Rind und ein saftig gegrillter Spieß.
Ebenso bemerkenswert sind die Krebs-Sabayon, die man mit einem weichen Brioche auftunkt und ein köstlicher Tofu aus Kürbiskernmilch mit Spargel und gerösteten Haselnüssen.
Bei den Hauptgerichten überzeugt besonders der karamellisierte Aal. Während Gerichte mit dem Fisch meistens herzhaft und schwer sind, ist dieses leicht, luftig und im Aroma fast blumig. Ein selten erhabener Genuss. Die klassische Taube mit Rotkohl kann da nicht ganz mithalten.
Frühstück im Desertų klubas

Schon morgens kann man in Vilnius hervorragend essen. Zu verdanken ist das Asta Petrus, die mit ihrem Desertų klubas mitten in der Altstadt Köstlichkeiten mit litauischem Ursprung ebenso auftischt wie populäre internationale Klassiker.
Bei unserem Besuch kamen wir bei dieser Auswahl aus dem Probieren und Genießen gar nicht mehr heraus. Ein knuspriges „Brot" aus Croissants mit Avocadocreme und pochiertem Ei, eine knusprige Waffel mit Avocado und Lachs oder gefüllte Teigtaschen mit Blaubeeren und Sauerrahm - es war ein Fest. Das gilt ebenso für sämtliche Croissants und Krapfen oder den griechischen Joghurt mit Lemoncurd und Granola. Ein Muss bei jedem Vilnius-Besuch.
Red Brick
Abseits der litauischen Hauptstadt Vilnius, rund eine Stunde nördlich der Stadt, liegt im ländlichen Radiškis ein Restaurant, das Gastronomie eng mit Landwirtschaft verbindet: das Red Brick. Das Restaurant ist Teil von Farmers Circle, einem landwirtschaftlichen Betrieb, und befindet sich in einem restaurierten historischen Gebäude auf dem weitläufigen Hofgelände. Seit seiner Eröffnung im August 2023 verfolgt Red Brick ein Konzept, bei dem ein möglichst großer Teil der verwendeten Produkte aus dem eigenen landwirtschaftlichen Umfeld stammt. Ergänzt werden sie durch Produkte aus der näheren Umgebung sowie Fisch und Meeresfrüchte aus dem baltischen und nordischen Raum.
Im Mittelpunkt steht ein saisonal wechselndes Degustationsmenü. Die Küche verbindet litauische und baltische Produkte mit internationalen Techniken und Einflüssen. Der aktuelle Küchenchef Ignas Damanskas setzt dabei insbesondere auf eine präzise, produktorientierte Küche, in der Gemüse eine wichtige Rolle spielt.
Bereits im Michelin Guide Lithuania 2024 wurde das Red Brick mit einem Grünen Stern für sein Engagement im Bereich Nachhaltigkeit ausgezeichnet. Der Guide verwies dabei insbesondere auf die Größe des landwirtschaftlichen Betriebs, die überwiegend vom Hof stammenden Zutaten und die konsequent saisonale Ausrichtung der Küche. 2026 folgte der nächste bedeutende Schritt: Red Brick erhielt erstmals einen MICHELIN-Stern.
Zum Konzept der Hof-Restaurant-Kombination gehört auch die Möglichkeit, die Umgebung und den landwirtschaftlichen Betrieb kennenzulernen. Gäste können im angeschlossenen Sleepy Horse Gästehaus übernachten und ihren Restaurantbesuch mit einem Aufenthalt auf dem Hof verbinden. Damit versteht sich Red Brick nicht ausschließlich als gastronomischer Betrieb, sondern als Teil eines größeren Konzepts, das Landwirtschaft, Nachhaltigkeit, Übernachtung und Gastronomie miteinander verbindet. Das Red Brick steht damit exemplarisch für eine Entwicklung in der litauischen Gastronomie, bei der regionale Produkte und landwirtschaftliche Herkunft stärker in den Mittelpunkt rücken.
Džiaugsmas
Das Džiaugsmas befindet sich in einem sympathischen kleinen Altbau und ist von außen kaum zu erkennen. Nur ein kleiner Schriftzug und das Michelin-Stern (der eigentlich ein Macaron ist) deuten darauf hin, dass man hier kulinarisch spannende Dinge erleben kann.
Betritt man das Restaurant durch die Holztür, dominieren schwarze und Anthrazit-Töne, das Interieur ist puristisch bis karg. Das kann etwas düster wirken, insbesondere im Untergeschoss. Etwas belebter und kurzweiliger sitzt es sich im Obergeschoss, nah an der Küche und mit Blick auf den Fleisch-Reifeschrank.
Das Tasting-Menü mit neun Runden (inklusive Apero und Petit Fours) aus der Küche kostet bei unserem Besuch 99 Euro.
Zum Auftakt zählen aufwändig verzierte schwarze Macarons, die farblich abgestimmt auf (kalter) Holzkohle serviert werden. In den Talern verbergen sich Forellen-Confit, Forellen-Kaviar, eine rahmige Creme und Jalapenos.
In einem knusprig frittierten Körbchen befinden sich saftiges Kalbsbries und Pilz-Mayonnaise, obendrin stecken Stücke von knuspriger Hühnchenhaut. Süffig, würzig, herzhaft und sehr gut.
Der erste der drei Hauptgänge ist eine mit Shiitake-Pilzen gefüllte Teigtasche mit geräuchertem und süßlich glasiertem Aal, einer intensiven rahmigen Aal-Sauce (nicht im Bild) und Seetang.
Auch im Anschluss spielt Aal eine wichtige Rolle: Zum Steinbutt mit Fisch-Fond und Bohnen kommen kleine Stücke vom Aal.
Die knusprig gebratene Perlhuhnbrust ist mit einer Farce gefüllt und wird von einer perfekt abgestimmten Perlhuhnjus, schwarzem Knoblauch-Püree und Pak Choi begleitet.

Ein unvergessliches Highlight war das samtige Steinpilz-Eis. Perfekt in der Konsistenz und ebenso die Dosis des feinen Pilzaromas. Das zweierlei Schokoladenmousse darunter gerät fast in den Hintergrund.
Demoloftas
Ein herrlich entspannter Ort für den ganzen Tag ist das Demoloftas etwas außerhalb vom Zentrum.

Tagsüber ist der luftig-helle Raum Café und legeres Restaurant mit sehr gutem Mittagstisch, abends verwandelt er sich in das Sternerestaurant „Demo.“ Wir waren mittags zu Gast und haben hervorragende, unkomplizierte Gerichte genossen.
Diese drei waren besonders überzeugend: Wirsing mit Petersilienwurzel-Creme, eingelegtem Fenchel, Kräutern und Forrellen-Kaviar; Geröstete bunte Karotten mit Cashew-Creme und gerösteten Haselnüssen; Gebratene Pilze mit Karotten-Creme, würziger Hühnchen-Terrine und frittiertem Buchweizen. Alle drei Gerichte kosten 13 bzw. 14,50 Euro. Nachdem das alles so vielversprechend geschmeckt hat, sollten wir beim nächsten Vilnius-Besuch unbedingt auch abends hier einkehren.
Pas Mus
Ausgerechnet das unscheinbarste Sternerestaurant in Vilnius hat bei uns den nachhaltigsten Eindruck hinterlassen.
Im „Pas Mus“ (übersetzt „bei uns“) sitzt man an einfachen Tischen oder einem Tresen direkt an der offenen Küche und kann Vita Bartininkaitė und ihrem Team bei der Arbeit zu sehen. Ihr Küchenstil ist von Purismus geprägt, alle Gerichte bestehen nur aus wenigen Zutaten. Das feste Menü kostet zum Zeitpunkt unseres Besuches 80 Euro.
Nach einem Teller mit verschiedenen fermentierten Gemüsen und Früchten (Gurke, Rettich, grüne Erdbeere, Spargel, Stachelbeere und gegrillte grüne Tomate) folgt ein herrliches Arrangement zum snacken: Ein dunkel-malziges Roggenbrot mit Kümmel, warm-flüssiger brauner Butter, Radieschen und saure Sahne mit Bärlauch-Öl zum Hineindippen der Radieschen. Auch das Topinambur-Tartelette mit Kartoffel-Schaum, geräuchertem Käse und karamellisierten Pilzen ist köstlich herzhaft.
Für hörbaren Enthusiasmus sorgte bei vielen Gästen die „Jakobsmuschel-Pizza“. Eine dünne knusprige Kartoffelteig-Ecke auf der in Tamari marinierte Jakobsmuschel scheiben liegen.
Was danach folgte, war eines der besten Brioches, die man sich vorstellen kann. Luftig-leicht und trotzdem buttrig-saftig. Dazu geräucherte Butter und ein sehr grob geschnittenes Tatar von lange gereiftem Rind, das durch die Grobstückigkeit ein faszinierendes, erlebbares Mundgefühl bot und mit Zwiebel-Shoyu perfekt abgeschmeckt war.
Ein ebenso großer Geniestreich: Eis aus weißem Tomatensaft und -blättern mit einer kleinen Nocke Kaviar. Die Tomaten-Note ist intensiv und wird von Milch und Sahne nur gerade ebenso getragen, sodass das Eis trotzdem leicht ist und im Mund bald verschwindet. Der Kaviar ist ein salziges I-Tüpfelchen.

Hauptgang ist eine gereifte Entenbrust mit kräftigem Aroma, dazu gibt es lediglich ein paar Stachelbeeren und eine unvergessliche Sauce: Stark eingekochter Entenfond, dem kein weiteres Salz zugesetzt wurde. Reiner, konzentrierter Geschmack. Traumhafter Purismus! Die Desserts blieben nach meinem Eindruck etwas hinter den vorherigen Gängen zurück.
[UPDATE: Inzwischen ist das Restaurant geschlossen und Vita Bartininkaitė kocht nun im Nineteen18, siehe oben]
Das Vilnius-Kochbuch
Wer die litausiche Küche zuhause erleben möchte, für den haben wir eine Empfehlung. Das Kochbuch „Vilnius“ von Denise Wachter enthält wunderbare Rezepte für bodenständige Gerichte und erzählt spannende Geschichten aus Litauens Hauptstadt.

Offenlegung
Die Besuche fanden im Rahmen einer Pressereise statt. Danke an Denise Wachter, GoVilnius und AirBaltic für Einladung und Organisation.













































