Das Kochbuch
„Brot backen? Das schafft jeder!“ – diese (grundsätzlich wahre) Behauptung gleich zu Beginn des Buches zeigt, wohin die Reise geht: Lutz Geißler will Einsteigern das Brotbacken schmackhaft machen. Und zwar vor allem jungen Menschen. Auf sie ist dieses Buch zugeschnitten – mit einfachen, attraktiven Rezepten und einer deutlich lockereren Sprache im Vergleich zu seinen bisherigen Werken.
Der Inhalt
Das Buch ist stringent aufgebaut: Alles, was man wissen muss, steht drin – nicht mehr und nicht weniger. Dazu gehören die Basics: Was man nicht braucht, was „schnell“ und „einfach“ bedeutet (wenig Arbeitszeit, viel Reifezeit), was man wirklich braucht sowie eine Einführung in das Thema Sauerteig.
Besonders eindrücklich: was man (angeblich) nicht braucht. Kein Backstein, kein Bedampfer – stattdessen als Ersatz tiefe Backbleche. Hat man die?
Das Erstaunlichste: Angeblich soll man nicht einmal eine Waage benötigen. Kurz darauf heißt es jedoch, dass es mit Waage doch besser und genauer sei. Folgerichtig ist dann auch eine Waage abgebildet und in jedem Rezept gibt es zusätzlich genaue Grammangaben. Das würde aus unserer Sicht ausreichen. Und fünf Gramm Hefe sind eindeutig einfacher abzuwiegen, als einen klebrig-schmierigen Würfel in acht Teile zu zerlegen.
Und sind Tassen (die als Ersatzmaß dienen) nicht unterschiedlich groß? Was ist eine Tasse, was ein Becher? Abgebildet sind aus unserer Sicht (Kaffee-)Becher, keine Tassen. Und ist der Besitz einer Waage wirklich zu viel verlangt?
Gut funktioniert dagegen die nahbare Sprache in den Rezepten, die auf Fachbegriffe verzichtet und diese stattdessen verständlich umschreibt.
Die Rezepte
Die Rezepttitel tragen aus unserer Sicht dagegen teils skurrile Namen. Fast fühlt man sich an die Wahl zum Jugendwort des Jahres erinnert.
Ein paar Beispiele: Dummy-Brot, Hole-in-One, Monster-Focaccia, Digga, Wylde Wurzel, Yolo Yolo, Bonnie & Clyde, Gangsta Bread, Killer Kissen, Bun Deluxe, Crazy Butterfly. Kein Scherz!
Ob man das nun passend findet oder nicht – die Namen haben im Inhaltsverzeichnis einen Nachteil: Man muss oft raten, um was für einen Brot- oder Brötchen-Typ es sich handelt. Es sei denn, der Name allein ist schon Argument genug fürs Nachbacken.
Ein Blick in die Rezeptauswahl: Weizenkastenbrot, rustikales Weizenbrot, Focaccia, Ciabatta, Baguette, Dinkel-Roggen-Vollkornbrot, Roggensauerteigbrot, Toastie-Brötchen, Schweizer Bürli, Dinkelbrötchen mit Hafer, Croissants.
Die meisten Rezepte basieren auf Hefe, nur wenige auf Sauerteig.
Gebacken werden kann noch am selben Tag, oder am nächsten Morgen, wenn der Teig bis dahin im Kühlschrank reifte.
Eine echte Hilfe sind die Videotutorials auf Lutz Geißlers Youtube-Kanal.
Der Schwierigkeitsgrad
Einfach bis mittelschwer – alles andere wäre auch überraschend gewesen.
Die Zutaten
Alle Zutaten sind problemlos in jedem (Bio-)Supermarkt erhältlich.
Der Autor
Lutz Geißler ist aus unserer Sicht der beste Autor für Brotbackbücher im deutschsprachigen Raum. Mit seinen Werken hat er bereits mehrfach den Deutschen Kochbuchpreis gewonnen.
Die Optik
Hell, freundlich, aufgeräumt. Die grüne Schrift bringt Abwechslung, die vielen Schritt-für-Schritt-Bilder erleichtern das Verständnis.
Das Fazit
Vorschlag zur Güte: Wir vergessen einfach das Thema mit der Waage und schieben die merkwürdigen Rezepttitel beiseite. Was bleibt, sind gewohnt hervorragende Gebäcke, die viel Freude bereiten – beim Backen und erst recht beim Genießen.

























