Dirty Bistro
Das Debüt-Kochbuch von Max Strohe - Querkopf der Spitzengastronomie. Mit vielen Rezepten, von rebellisch bis raffiniert
Das Kochbuch
Der ausgetreckte Mittelfinger in der rechten Hand, die Fluppe hängt in der linken – so präsentiert sich Max Strohe auf dem Cover seines ersten Kochbuches und zeigt ziemlich deutlich, mit welcher Attitüde er an seine Arbeit herangeht: Mir doch egal, was ihr von mir denkt – ich koche, wie ich es will. Das Ergebnis kann man auf über 200 Seiten nachlesen: Rezepte, die sich um keine Konvention und geschmackliche Grenzen scheren. Nur um eins: Genuss. Oder wie Strohe selbst sagt: Zu salzig, zu fettig, zu süß.
Der Inhalt
Max Strohe kann nicht nur sehr gut kochen, er kann auch noch sehr gut fotografieren (siehe unten) und schreiben. Deshalb enthält sein Buch auch nicht nur Rezepte, sondern ein paar lesenswerte Essays, in denen sein zuweilen rotziger Stil und sein trockener Humor gut herauszulesen sind.
Die Rezepte des ersten Kapitels umschreibt er zum Beispiel so: „Streetfood sind Tapas auf Asphalt. Ein Degustationsmenü, das man im Lärm der Welt verschlingt. Weil die Portionen klein sind, dürfen sie radikal sein. Viel zu süß. Viel zu scharf. Zu fett. Zu wild.“ Oder sind diese Texte nun doch nicht von ihm? Mehr dazu weiter unten.
Die Rezepte
Die Rezepte teilen sich auf diese Kapitel auf: Streetfood, Classics not classic, Classics, Guilty Pleasure, Sweets, Grundrezepte.
Strohe kocht gerne mit Luxuszutaten wie Hummer und Kaviar und hat erkennbar keine Scheu vor Süße, Salz und Fett. Sauce Hollandaise und Mayonnaise (jeweils in Varianten) scheinen seine Freunde zu sein. Nicht zu übersehen ist bei den meisten auch die Basis der klassisch französischen Küche.
Beispiele für Strohes Rezepte sind Lobster Roll, Pizza Fontina, Garnelen Toast, Kaviar Croissant mit Lachs, Lammtatar, Carpacchio, Brotsalat, Lauch mit Haselnuss, Kalbsbries mit Erbsen und Morcheln, Chawanmushi mit Thunfischtatar und Buttermilchsud, Carabinero mit Koshikikaireis und Gochujang-Hollandaise und der phänomenale Choux & Haselnuss hoch³.
Was man etwas vermisst, sind kurze Einführungen in die Texte. Es wäre sicherlich ein Vergnügen, zu lesen, was er sich dabei jeweils gedacht hat. Und die Farbe grün taucht bei den Gerichten auch nicht besonders auf.
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Der Schwierigkeitsgrad
…variiert zwischen einfach und aufwändig. Der Großteil bewegt sich irgendwo dazwischen.
Die Zielgruppe
Dies ist kein Kochbuch für den Alltag. Dafür umso mehr für alle, die auf alle Regeln sch*** und mit der gleichen Einstellung wie Strohe ans Essen gehen: Hauptsache, es schmeckt saumäßig lecker.
Die Zutaten
…kosten Geld. Mal mehr, mal weniger – nicht selten etwas mehr, weil Strohe nicht nur Luxuszutaten verwendet, sondern auch hochpreisigen Fisch und kostspieliges Fleisch. Ausnahmen bestätigen hier die Regel und so gibt es auch einige Gerichte, die wesentlich günstiger realisierbar sind.
Das Autoren-Team
Max Strohe wurde bei seinem Kochbuch-Projekt von Antonia Wien unterstützt, die ihn mit ihrer Agentur The Chefs' Stories managt. Sie wird im Impressum auch als Urheberin der Texte genannt. Erstaunlich, wenn man bedenkt, dass Max Strohe bereits Literatur geschrieben hat. Mehr zu den beiden zitieren wir gekürzt aus dem Buch:
Antonia Wien ist eine Hamburger Journalistin, Autorin und Unternehmerin mit einer tiefen Leidenschaft für Kulinarik und Ästhetik. Als Tochter eines Kunstmalers und einer Food-Journalistin wuchs sie in einem kreativen Umfeld auf, das ihren Blick für Qualität prägte. Heute schreibt sie für renommierte Titel wie Der Feinschmecker und konzipiert als Autorin hochwertige Kochbücher für Spitzenköche.
Maximilian „Max" Strohe wurde 1982 in Bonn geboren. Ausbildung in der Wendelinusstube in Sinzig-Koisdorf, Abschluss im Hotel-Restaurant Hohenzollern in Bad Neuenahr-Ahrweiler. Von Anfang an geht es bei ihm weniger um Perfektion als um Charakter - volle Aromen, Emotion, Humor statt Chichi.
2015 eröffnet er gemeinsam mit Ilona Scholl das tulus lotrek in Berlin, das 2017 mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet wird. Gemeinsam machen sie den hörenswerten Podcast „Tulus“.
Max ist nicht nur Koch, sondern auch Erzähler: Als Spiegel-Kolumnist und Buchautor von Kochen am offenen Herzen schreibt er über Krisen, Küchenwahnsinn und die Liebe zum Leben - immer radikal ehrlich und selbstironisch.
Die Optik
Max Strohe hat neben dem Kochen das Fotografieren für sich entdeckt. Und so stammen sämtliche Bilder in seinem Kochbuch von ihm und sind sehr gelungen. Relativ konventionelle Foodfotografie steht dabei einer Reportagefotografie gegenüber, die Rohheit und Intensität (Zitat aus dem Buch) deutlich zum Ausdruck bringt.
Das Fazit
Von Max Strohe wird man noch viel hören – und dieses Kochbuch könnte erst der Anfang sein. Denn seine Attitüde, die der sogenannten „Fine Dining“-Szene mal ein bisschen Pfeffer macht, ist so wohltuend anders wie die Rezepte in diesem radikal auf Genuss ausgerichteten Buch.

Benjamin Cordes
Kochbücher














