Diese Erdbeeren schmecken am besten

In unserer großen Warenkunde erklären wir, woran man leckere Erdbeeren erkennt, welche Erdbeersorten am besten schmecken und wo man die besten Erdbeeren kaufen kann. Außerdem stellen wir neue Sorten, alte Klassiker und besondere Raritäten vor.

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Wann schmecken Erdbeeren am besten?

Ob eine Erdbeere gut schmeckt, hängt von vielen Faktoren ab. Am wichtigsten ist die Sorte. Sie entscheidet darüber, welche und wieviele Aromastoffe die Frucht ausbildet. Mehr als 900 konnte man im Labor identifizieren. 30 davon sind sogenannte Schlüsselsubstanzen, die besonders intensiv auf unsere Sinne wirken. „Entscheidend ist aber nicht die Menge, sondern die Ausgewogenheit und das Verhältnis der Aromastoffe untereinander“, sagt der renommierte Erdbeerzüchter Klaus Olbricht von der Firma Hansabred.

Entscheidend sind dabei drei Stoffklassen: Ester sorgen für einen fruchtigen Geschmack, Terpene für ein blumige Aroma und Laktone für süße, karamellige Noten. Einige Erdbeersorten enthalten zum Beispiel nur wenige fruchtige Ester, dafür aber viele Laktone. Sie gaukeln mit ihrer Süße daher nur einen guten Geschmack vor, dem jedoch die entscheidenden fruchtigen Noten fehlen.

Diese drei Stoffe sind jedoch wiederum nur ein Aspekt, nachdem wir Erdbeeren bewerten. „Die Kriterien sind Optik, das Verhältnis von Zucker und Säure, dann das Aroma und schließlich ein gutes Mundgefühl“, sagt Olbricht. Denn selbst wenn eine Erdbeere ein gutes Aroma hat, würde sie kein Vergnügen bereiten, wenn ihr Fruchtfleisch hart ist und man lange auf ihm herumkauen muss. Im besten Fall ist die Erdbeere saftig und ihr Geschmack explodiert förmlich im Mund.

Warum schmecken Erdbeeren aus dem Ausland oft nicht?

Schon früh im Jahr findet man im Supermarkt importierte Erdbeeren, meistens aus Spanien. Von dort kamen zuletzt rund 92.000 Tonnen Erdbeeren nach Deutschland. Danach folgen die Niederlande (13.000 Tonnen), Griechenland, Italien, Belgien, Ägypten und Marokko. Das Problem: Oft sind die Sorten dieser importieren Erdbeeren für den langen Transport auf Haltbarkeit statt Geschmack gezüchtet. Beide Eigenschaften schließen sich leider meistens aus. Die Sorte, die beides perfekt in sich vereint, wurde noch nicht gezüchtet. Zu der Frage, ob importierte Erdbeeren oder heimische aus dem Freiland besser schmecken, haben wir für den NDR diesen TV-Beitrag realisiert.

Wie werden Erdbeeren angebaut?

Welche Rolle die Anbauform für das Aroma spielt, ist umstritten. Manche Experten sagen, Erdbeeren bräuchten zur Ausprägung des perfekten Aromas direktes Sonnenlicht, andere meinen, die Sorte und z. B. die Wärme im Folientunnel seien wichtiger. Eigentlich ist die Erdbeersaison in Deutschland kurz: Nur im Juni und Juli gäbe es Kulturerdbeeren, wenn man sich nicht verschiedene Wege hätte einfallen lassen, mit denen die Saison nach vorne und hinten verlängert werden kann. Denn neben dem traditionellen Anbau im Freiland im Mutterboden und mit Strohunterlage gibt es mittlerweile verschiedene Anbauformen. Eine weitere Möglichkeit, den Erntezeitraum zu strecken, sind sogenannte Frigo-Erdbeerpflanzen. Sie werden in den kalten Monaten aus der Erde genommen und eingefroren. So wird ihr Winter künstlich verlängert. Pflanzt man sie später im Jahr und taut sie dann erst auf, kann man auch spät noch Erdbeeren ernten. Mit diesen Methoden kann die Erdbeer-Saison auch in Deutschland auf den Zeitraum von März bis Oktober verlängert werden.

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Am weitesten weg von der Natur ist der Anbau im Gewächshaus. Das Gewächshaus ist festinstalliert und nicht mobil. Hier drin wachsen die Erdbeeren in der Regel in einem Substrat, z. B. aus Kokosfasern. Darin werden sie computergesteuert mit Wasser und Dünger versorgt. Dieses Substrat liegt zum Teil nicht mehr auf dem Boden, sondern in bequemer Pflückhöhe auf Stellagen. Ist das Gewächshaus beheizbar, ist der Erdbeeranbau fast vollkommen entkoppelt von der natürlichen Saison möglich.

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Ein Folientunnel ist ein mobiler Wetterschutz. Er schützt die Erdbeeren vor Kälte, Wind, Regen, Hagel und direkter Sonneneinstrahlung und ist dabei immer wärmer als seine Umgebung. Hierin kann man Erdbeeren daher deutlich früher ernten als im Freiland. Die Pflanzen können hier entweder wie im Gewächshaus in Substrat oder direkt in die Erde gepflanzt werden. Der Tunnel selbst besteht aus dem Stahlgestänge und Folie, ist mobil und nicht fest verbaut. Der geschützte Anbau unter Folientunneln oder im Gewächshaus liegt auch in Deutschland im Trend. Der Anbau im Freiland geht zurück. 2015 wurden im Freiland noch 160.000 Tonnen Erdbeeren geerntet, 2019 nur noch 113.000 Tonnen. Im gleichen Zeitraum nahm die Menge aus dem geschützten Anbau von 12.000 Tonnen auf 30.000 Tonnen zu.

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Ein mit schwarzer Folie umspannter Erdwall hat eine ähnliche Funktion wie der Tunnel. Durch die schwarze Farbe erwärmt sich die Erde schneller, die Erdbeeren wachsen schneller und früher. Gleichzeitig wird der Unkrautwuchs unterdrückt. Zurück bleibt allerdings eine Menge Plastikmüll.

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Der traditionelle Erdbeer-Anbau ist im Mutterboden mit Strohunterlage. Das Stroh unterdrückt das Unkraut und schützt die Erdbeeren vor Verschmutzung. Eine besonders frühe oder späte Ernte ist hiermit kaum möglich. Nur das Abdecken der Pflanzen mit Vlies kann sie etwas vor Kälte schützen bzw. die Wärme an den Pflanzen halten.

Diese Erdbeer-Sorten schmecken am besten

Und welche Erdbeer-Sorten schmecken nun am besten? Wir zeigen die wichtigsten Erdbeersorten, die man bei uns kaufen, im eigenen Garten anbauen oder beim Landwirt selbstpflücken kann.

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Frühe Sorten

Flair: Eine der ersten Sorten im Jahr. Gezüchtet in den Niederlanden. Hellrote, glänzende Früchte, gleichmäßig, kegelförmig und länglich in der Form. Wird hauptsächlich für die Direktvermarktung angebaut. Sehr gutes Aroma. 7/10

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Clery: Wichtigste frühe Sorte in Europa. Gezüchtet in Italien. Schmeckt besonders süß, weil sie nur wenig Säure hat. Schmeckt im direkten Vergleich manchmal leicht modrig. Hell-orange-rote, kegelförmige und längliche Früchte. Gutes, leicht flaches Aroma mit großer Steigerung bei absoluter Vollreife. 6,5/10

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Fortuna: Züchtung aus den USA. Wird oft rund ums Mittelmeer angebaut und nach Deutschland importiert. Sehr große, einheitliche und glänzende Früchte. Sehr fest und transportierfähig, daher nur bestenfalls mittelmäßig im Geschmack. 4/10

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Daroyal: Gezüchtet in der Nähe von Bordeaux. Kreuzung aus „Elsanta“ und „Parker“. Relativ weich, daher nur im Anbau nur für Selbstpflücker, Direktvermarktung und Verarbeitung. Rote bis dunkelrote Früchte, gutes Aroma mit deutlicher Säure. 6/10

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Magnum: Gezüchtet in Frankreich. Mittel bis große, eher feste Früchte, mittelrot. Im Geschmack guter Durchschnitt 6/10

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Rendezvous: Leuchtend rote, stark glänzende Früchte. Mittel bis groß. Sehr aromatisch mit gutem Zucker-Säure-Verhältnis. 7/10

Rumba: Glänzende, mittelrote Früchte. Groß, gleichförmig und relativ fest mit guter Lagerfähigkeit. Der Geschmack gilt als gut. 6/10

Hauptreife

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Elsanta: Eine der häufigsten Handelssorten mit abnehmender Tendenz. Mittel bis große, breit-kegelförmige Früchte, hellrot bis rot.  Da ihr fast alle aromarelevanten Substanzen fehlen, ist ihr Geschmack eher durchschnittlich. 5,5-6/10

Korona: Zählt zu den beliebtesten Erdbeersorten. Relativ weich, nicht lagerfähig. Rote bis dunkelrote Früchte, recht süß und wohlschmeckend. Zu Beginn der Ernte große, später kleiner werdende Früchte. 6,5/10

Sonata: Kreuzung aus Elsanta und Polka. Relativ große, einheitliche und eher feste Früchte. Mittelrot glänzend, auch noch nach dem Pflücken. Keine grünen Spitzen. Guter Ge­schmack, hoher Ertrag. Viel in der Selbstpflücke und im Kleingarten. 6/10

Mittelspäte Sorten

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Renaissance: Neue, von der Firma Hansabred gezüchtete Sorte. Und eine, die man sich merken sollte. Ihr starkes Aroma ist ohne Vergleich zu bekannten Sorten. Alle wichtigen Aromastoffklassen wie Ester, Terpene und Laktone sind stark enthalten. Hohes und sehr gut ausbalanciertes Zucker-Säure-Verhältnis. Auch optisch sehr schön: Stark glänzend, mittleres Rot, ausgeprägte und sehr attraktive Herzform. Gut für Direktvermarktung und Verarbeitung geeignet, aber nicht für Großhandel, langen Transport und Lagerung. 8/10

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Symphony: Mittelrote, glänzende Früchte. Geschmack in Ordnung, recht säuerlich. 5,5/10

Polka: Dunkelrote, glänzende Früchte. Geschmack gut 6,5/10

Späte Sorten

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Faith: Reift zwischen Sonata und Malwina. Große, gleichmäßig konisch geformte und feste Früchte. Mittelrot mit gutem Glanz. Hoher Ertrag. Blüht über einen längeren Zeitraum und sorgt damit für eine gleichmäßige, lange Ernte. 6,5/10

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Malwina: Sehr späte Sorte aus der Direktvermarktung. Die Früchte sind bei Vollreife sehr dunkelrot, glänzend, gleichmäßig breitkegelförmig und relativ weich. Voll ausgereift mit sehr gutem Geschmack. 7/10

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Murano: Remontierende, also mehrfach blühende Sorte. Mittelgroße, mittelrote, längliche und recht feste Früchte mit guter Haltbarkeit. Geschmack nur durschnittlich 5,5/10

Besonderheiten und Raritäten

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Senga Sengana: Alte Sorte, gezüchtet 1952 in Wulsdorf bei Hamburg aus den Elternsorten 'Markee' und 'Sieger'. Kegelförmige, leuchtend purpurrote Früchte. Gutes Aroma, kaum Säure. In den 1960er und 70er Jahren eine der am meisten angebauten Sorten. Heute meist nur noch im Hausgarten oder für Selbstpflücker angebaut.

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Walderdbeere: Walderdbeeren sind äußerst aromatisch und wachsen bodendeckend auf sonnigen Waldrändern und Lichtungen. Ihr Aroma ist unübertroffen und unterscheidet sich deutlich von dem der Gartenerdbeere. Das liegt maßgeblich an dem Stoff Methylanthranilat.

Fontaine: Kreuzung aus europäischer Walderdbeere und japanischer Wilderdbeere. Kugelförmige Früchte mit gutem Geschmack von Waldbeeren. Besonders gut geeignet als dekorative Balkon- und Topfbepflanzung. Auch als bodenbedeckende Erdbeerpflanze für den Garten geeignet.

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Mieze Schindler: Legendäre Sorte, die für viele das Nonplusultra im Aroma ist. Gezüchtet 1925 von Otto Schindler aus Pilnitz aus den Sorten Lucida Perfecta und Johannes Müller, benannt nach seiner Frau. Eher wenige, kleine und runde Früchte. Das Aroma erinnert durch den Stoff Methylanthranilat an Wald-Erdbeeren, ist aber deutlich süßer. Dunkelrot mit deutlich eingesenkten Nüsschen, innen ist das Fruchtfleisch rosa. Wegen der Druckempfindlichkeit Ist die Beere nicht lagerfähig und wird nur selten kommerziell angebaut. Da die Mieze Schindler sich nicht selbst befruchten kann, benötigt sie eine Befruchtersorte, die zur gleichen Zeit blüht. Geeignet ist z. B. Senga Sengana.

Mieze Nova: stammt von Mieze Schindler ab. Ist aber im Gegensatz zu ihr selbstbestäubend. Die kräftig roten Früchte sind größer und fester und weniger druckempfindlich.

Mara de Bois: Französische Sorte, gezüchtet von Andre Marionnet aus Soings-en-Sologne aus den Sorten (Gento x Ostara) x (Redgauntlet x Korona). Leicht parfümartiger, intensiver Geschmack. Relativ kleine, kegelförmige weiche Früchte. Wegen des einzigartigen Geschmacks und dem intensiven Walderdbeer-Aroma wird Sorte auch als Delikatess- oder Gourmet-Erdbeere angeboten. Die Früchte sind eiförmig, klein bis mittelgroß, mit einem Fruchtgewicht zwischen 11 Gramm und 16 Gramm und eher weich.

Wo bekommt man die besten Erdbeeren?

Erdbeerzüchter Klaus Olbricht hat eine klare Empfehlung: „Ich würde immer zu einem Landwirt und Direktvermarkter gehen. Dort gibt es die beste Auswahl, man kann direkt probieren und vergleichen und vor allem die Erdbeeren zum perfekten Reifezeitpunkt ernten. Und einen langen Transportweg haben die Erdbeeren dann auch nicht hinter sich.“ Eine höhere Qualität ist also nicht zu erreichen. Ein weiterer Vorteil: hier erfährt man auch die konkreten Sorten, denn im Handel müssen sie nicht angegeben werden. Es sind meistens auch bessere, aromatischere und damit weichere Sorten, da sie keinen Transport überstehen müssen.

Wie pflückt man Erdbeeren am besten und wie bewahrt man sie auf?

Am besten pflückt man Erdbeeren in ein flaches Gefäß, in Eimern oder anderen tiefen Gefäßen würden die Erdbeeren Druckstellen bekommen. Zuhause sollte man die Erdbeeren erst kurz vor dem Servieren waschen und Stiele und Blätter entfernen. Wasser entzieht den Erdbeeren Aroma, daher nur kurz waschen. Im Kühlschrank halten sich Erdbeeren je nach Sorte nur sehr kurz. Unbedingt sollte man sie auf einem flachen Teller ausbreiten, um Druckstellen zu vermeiden.



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