Kochbuch-Rezension
von (16. Oktober 2018)

Sarah Henke. Korea

Meine kulinarische Reise ins Land der vielen Wunder

8,9 / 10
werbung

Das Kochbuch

Dieses Buch zählt zu den persönlichsten des Jahres 2018. Sterneköchin Sarah Henke nimmt ihre Leser mit auf eine Reise in ihr (ursprüngliches) Heimatland Korea und lässt sie an ihren Eindrücken und den Geschmäckern des Landes teilhaben. Doch nicht nur die Rezepte von dort und ihre eigenen sind es, die dieses Buch so lesenswert machen. Denn direkt mit den ersten Zeilen spürt man, warum dieses kein Buch wie jedes andere ist.

Die Autorin und ihre Reise

„Über meine Herkunft gibt es bislang nur wenige Informationen: Ich wurde als Findelkind in Soul gefunden (...). Ich konnte laufen und „NooNa“ sagen. (...) Vermutlich geboren bin ich am 23.02.1982. Das war es schon.“ Was für ein packender Einstieg in ein Kochbuch.
Sarah Henke wurde von ihren deutschen Eltern adoptiert, wuchs in Südniedersachsen auf. Nach einer Station im Spices auf Sylt kocht sie in ihrem Restaurant „Yoso“ in Andernach.
In dem Buch kehrt sie nun zurück in das Land ihrer Geburt. Es ist keine normale Reise und Sarah Henke keine normale Touristin, die ein fremdes Land bereist. Sie möchte das Land fühlen, „dem nachspüren, was mich bewegt.“ Auf der Reise dabei: Noona, das kleine Schafe, dass ihre Eltern (sie spricht nicht von „Adoptiveltern“) vor 34 Jahren mit nach Korea gebracht haben, um sie kennen zu lernen.
In sieben Abschnitte teilt Henke die Erzählungen ihrer Reise auf und die sind so überraschend offen und herzlich aus der Ich-Perspektive erzählt, dass das Lesen Spaß macht und die Grenzen zwischen Kochbuch, Autobiografie und Reiseroman verschwimmen.

Die Rezepte

Die 60 Rezepte des Buches teilen sich in zwei Gruppen auf. Die, die sie auf ihrer Reise kennengelernt und gegessen hat und jene, die sie in ihrem Restaurant „Yoso“ kocht. Diese beiden Gruppen unterscheiden sich z. T. recht stark. Erstere besteht naturgemäß aus mehr oder weniger unverfälschter, authentischer Korea-Küche, mit Zutaten und Produkten, die man hier eher schwer bekommt.
Die zweite Gruppe gibt einen tollen Überblick über Henkes Sterneküche und ihre Art, Aromen aus ihrem Geburtsland (und anderen Teilen Asiens) mit denen ihrer „neuen“ Heimat zu verbinden.

Das beste Rezept

Aus den vielen anspruchsvollen Rezepten wählen wir eins der übersichtlicheren: Ente mit koreanischen Beilagen: Gurken-Kimchi, Lotuswurzel, Zucchini mit Sesam und Tofu mit scharfer Sauce.

Die Zielgruppe

Kulinarische Aufgeschlossenheit, die Bereitschaft, sich neuem Terrain zuzuwenden und das Interesse an asiatischer Küche sind gute Vorraussetzungen für dieses Buch.

Der Schwierigkeitsgrad

Man muss es ehrlich sagen: die meisten Rezepte kochen sich nicht gerade von allein, sind entweder kleinteilig oder langwierig. Freilich gibt es davon aber auch eine Menge ausnahmen. Und der Aufwand ist es wert!

Die Optik

...ist wunderbar gelungen. Reich bebilderte Reise-Strecken, dazu tolle Aufnahmen der Gerichte vor Ort oder aus dem „Yoso“. Nur manchmal ist die Kamera vielleicht etwas dicht über´m Teller.

Die Zutaten

...an einem Asialaden führt kein Weg vorbei.

Das Fazit

Dieses Buch ist eine riesige, positive Überraschung. Nicht nur wegen seiner stattlichen Größe sondern auch wegen der tollen Verbindung von eigener Biografie, der Reise und wunderbaren Rezepten.


Kochbuch-Details

Titel
Sarah Henke. Korea
Von
Verlag
ISBN
978-3-95-961213-5
Erschienen
28.09.2018
Größe
227 x 274 mm
Preis
19,99 €


Benjamin Cordes
geschrieben von:
Benjamin Cordes
Benjamin Cordes ist Autor und Experte für Kulinarik. Seine Filme sind im öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu sehen, seine Texte u.a. im Magazin Falstaff zu lesen. Er ist Gründer von Kaisergranat.com und Initiator des Deutschen Kochbuchpreises.


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