Das Kochbuch
Wenn man dieses Buch aus dem Umschau Verlag zum ersten Mal in der Hand hält, läuft man unter Umständen Gefahr, einen großen Fehler zu machen: es lediglich als ein weiteres von ohnehin schon unzähligen Kochbüchern zur asiatischen Küche - oder konkreter - dem aktuellen „Bowl“-Trend abzutun.
Doch auf den zweiten Blick merkt man, was für einen kleinen Schatz man hier in der Hand hält. Denn dieses Suppenkochbuch trägt das Attribut „authentisch“ zurecht und ist für jeden, der sich für echte asiatische Küche interessiert, eine Bereicherung. Das liegt unter anderem an drei Dingen: Erstens an den Kurztexten, die die jeweiligen Gerichte und ihre Hintergründe erläutern. Zweitens an der Vielfalt höchstspannender Produkte, drittens an den Eindrücken von vor Ort mit kleinen Geschichten und Erläuterungen.
Wer sich wirklich für asiatische Küche interessiert und nicht nur für diverse „abgeschliffene“ und entschärfte pseudo-asiatische Currys, der sollte dieses Buch im Regal stehen haben. Und wer sich bislang noch nicht interessiert, der wird es nach der Lektüre dieses Buches tun.
Das Thema
Dieses Buch vereint zwei aktuelle Trends. Zum Einen sind da die „Bowls“: Gerichte aus frischen Zutaten, die zusammen in einer tiefen Schüssel serviert werden. Sie erfreuen sich in letzter Zeit rasant gestiegener Popularität. Und damit einhergehend wachsendem Variantenreichtum: es gibt sie unter anderem als Smoothie Bowl, Veggie Bowl oder Buddha Bowl. Sie alle haben eins gemeinsam: sie sind eine vollwertige Mahlzeit und lassen sich entspannt schlürfen und auslöffeln. Die zweite wachsende Strömung ist die der selbstgemachten Brühen aus Gemüse oder Fleisch bzw. Knochen. Beide Trends sind originär asiatisch und so ist es nur folgerichtig, sie zusammen in einem Buch zu portraitieren. Dieses Suppenbuch nimmt einen dafür mit auf eine Reise durch sieben Länder und ihre Städte: Yangon (Myanmar), Kuala Lumpur (Malaysia), Bangkok (Thailand), Hanoi (Vietnam), Taipeh (Taiwan) und Seoul (Südkorea).
Der Autor
Seit 2004 bereisen Heike und Stefan Leistner nun schon den asiatischen Kontinent, immer auf der Suche nach den spannendsten Gerichten. Mittlerweile sind sie ausgewiesene Experten der authentischen asiatischen Küche und starteten 2011 ihren Blog Asia Streetfood, der als der meistgelesene deutschsprachige Blog für asiatische Küche gilt.
Die Zielgruppe
Haben Sie mit Interesse bis hierhin gelesen? Dann ist die Frage ja schon beantwortet, ob dies ein Buch für Sie ist.
Die Rezepte
Bei den insgesamt 60 Rezepten steht, wie beschrieben, die Authentizität im Vordergrund. Die Vielfalt wiederum ist so groß, dass es kaum Sinn macht, alle Varianten aufzuzählen. Natürlich gibt es vegetarische Bowls, genauso mit Fleisch (Rind, Schwein, Geflügel) und selbstverständlich diverse mit Meeresfrüchten.
Der Schwierigkeitsgrad
Man sollte das Suppen- und Brühe kochen nicht unterschätzen. Zwar besteht es in erster Linie daraus, verschiedene Zutaten in einem Topf mit Wasser zu kochen. Aber dabei kann man viel falsch machen, vor allem bei Temperatur und Zeit. Aber dieses Buch leitet einen gut an, sodass fast alle Rezepte auch für ungeübte zu schaffen sind.
Und täuschen Sie sich nicht: auch wenn die Bowls in Asien auf der Straße geschlürft werden und das Ganze durchaus an Fastfood erinnern kann – mit schneller Küche haben diese Rezepte überwiegend nichts zu tun. Müssen die Brühen doch zum Teil über Stunden köcheln und simmern. Was hilft, damit umzugehen: das Kochen der Brühe nicht als lästige Pflicht betrachten sondern als ruhige, entspannende Zeremonie!
Schlau ist wiederum, wer sich die Brühe auf Vorrat kocht. Damit fällt der zeitintensivste Teil weg und auf einmal werden manche Anleitungen zu Minutenrezepten!
Das beste Rezept
Wie immer bei Büchern dieser Qualität ist es schwer ein einzelnes Rezept hervorzuheben. Die „Hun Dun Tang“ ist daher mehr als Beispiel und Stellvertreterin für die Vielzahl toller Rezepturen zu verstehen und zeigt, wie man auch aus Schwein eine intensive Brühe herstellen kann. Außerdem tummeln sich in dem Bowl noch Wontons (mit Schweinehack gefüllte Nudeltaschen), gegrillter Schweinebauch und knackiger Pak Choi.
Das Neue
Wie eingangs beschrieben ist dieses Thema nicht zwingend neu. Niveau und Authentizität allerdings schon. Und das ist diesem Buch hoch anzurechnen.
Die Optik
Man hat sowohl bei der Fotografie als auch beim Layout schon moderneres gesehen. Wie wäre es z. B. gewesen, die Bowls durchgängig gleich und vor allem puristischer in Szene zu setzen ohne jede weitere Dekoration im Hintergrund!? Die Optik ist auch ein Grund, weshalb das Buch (wie eingangs beschrieben) nicht auf den ersten Blick die Begeisterung weckt. Was es auf den zweiten aber durchaus tut!
Die Struktur
Die Reise geht von Stadt zu Stadt, von Land zu Land. Die normalen Rezepte wechseln sich ab mit den Grundrezepturen der verschiedenen Brühen, kleinen Warenkunden und Geschichten aus den Ländern und Städten.
Der heimliche Star des Buches ist das unterhaltsame wie spannende Kapitel über Glutamat. Geschrieben hat es Deutschlands führender Lebensmittelphysiker Prof. Thomas Vilgis.
Die Zutaten
Die Authentizität dieses Buches hat (logisch) viel mit den Produkten und Zutaten zu tun. Und vor allem damit, dass die Originalzutaten nur in Extremfällen ersetzt wurden, also dann, wenn es wirklich schwer bis kaum möglich ist, sie hierzulande zu beziehen.
Das Fazit
Um es kurz zu machen: Glückwunsch zu diesem Buch, bei dem aus jeder Seite der Duft asiatischer Garküchen zu strömen scheint.
Und noch ein Tipp: Das Streetfood-Buch
Heike und Stefan Leistner haben noch ein anderes Buch geschrieben: Asian Street Food. Darin finden sich Vietnam, Kambodscha, Laos, Thailand und Myanmar auf 224 Seiten mit 70 Rezepten und über 500 Fotos. Mehr Infos dazu gibt es hier.