Das Kochbuch
Wurst. Einfach nur „Wurst“. Vivi D´Angelo und Josh Flatow nehmen die ganze Schönheit dieses deutschen Wortes und benennen ihr Kochbuch genau so. Wie auch sonst, schließlich geht es hier nur um die Wurst, haha. Aber das in einer fachlichen und optischen Qualität, dass es möglicherweise sogar Vegetariern Respekt abverlangen würde. Uns jedenfalls schon.
Der Inhalt
Dieses Buch ist ein Musterbeispiel dafür, wie man fachliche Nischenthemen auf eine Weise erzählen kann, dass sie auch Nicht-Fachleuten Spaß machen. Lockere Sprache („Du“), verständliche Beschreibungen, kurzweiliger Schreibstil, eine gute Prise Humor (man beachte das Wurst-Dealer-Bild direkt zu Beginn).
Das Buch beginnt mit einem sehr guten Theorieteil, der alle Basics erklärt: u.a. Geräte, Fleisch und Fett, Gewürze und Aromaten, Zusätze und Darmlandschaft (ja, richtig gelesen).
Etwas bedauerlich: Der Inhalt ist nach unserem Eindruck etwas verwirrend aufgebaut, schon das Inhaltsverzeichnis ist schwer zu lesen, sodass die Orientierung schwerfällt. Wir hätten eine klarere Trennung von Theorie und Praxis/Rezepten übersichtlicher gefunden.
Lehrreich und spannend zu lesen ist das Buch in jedem Fall. Etwa, warum Zucker in die Wurst kommt und wie es mit dem gesundheitlichen Effekt von Nitritpökelsalz aussieht.
Die Rezepte
Die Rezepte umfassen viele klassische, bei uns bekannte Würste und einige internationale Spezialitäten. Beispiele sind Merguez, Schinkenwurst, Sai Krok Isan, Sucuk, Pfefferbeißer, Blutwurst, Weißwurst, Mortadella.
Hinzu kommen noch weitere ähnliche Produkte wie Guanciale, Kaslser, Leberkäse, eine vegane Pilzwurst und Gänserilettes.
Etwas verwirrend ist, dass die Merguez und andere grobe rohe Bratwürste offenbar per Definition zu „Brühwürsten“ zählen, obwohl sie zu keinem Zeitpunkt gebrüht werden. Immerhin: Die Autoren hat diese Erkenntnis ebenfalls irritiert, wie sie im „Stammbaum der Würste“ schreiben.
Und was macht man mit dem Buch, wenn man keine Lust/Zeit/Ausrüstung/Muße hat, Wurst selber zu machen? Dann ergibt das Buch trotzdem viel Sinn. Denn es enthält nicht nur Rezepte für Würste sondern auch viele mit Würsten. Und die kann man ja in guter Qualität durchaus kaufen, wenn man etwas Ausschau hält.
Beispiele für die Rezepte sind Green Hot Dogs, Sausage Rolls, Burritos, Dackelohren mit Tomatensauce (eine Portion Ostalgie), Currywurst Vindalho, Lap Cheong Fried Rice, Sucuk mit Ei und Pulpo mit ´Nduja, Melone und Minze.
Der Schwierigkeitsgrad
...hängt maßgeblich davon ab, ob man die Würste selbstmacht oder auf fertige zurückgreift und nur die Rezepte nachkocht. Die Bandbreite ist jedenfalls entsprechend groß und reicht von unkompliziert bis sehr aufwändig (und langwierig).
Die Zielgruppe
Ein Buch für alle, die die Wurstkultur lieben und vor dem Untergang durch gesichtslose Massenware retten wollen.
Die Zutaten
Gutes Fleisch und die entsprechende Ausrüstung bekommt man (leider) nicht immer um die Ecke. Aber mit etwas Recherche ist alles gut zu finden, online ohnehin.
Die Autoren
Vivi D´Angelo ist eines der besten (Food-)Fotografinnen im deutschsprachigen Raum, nicht umsonst gewann sie 2024 den Deutschen Kochbuchpreis für die beste Foodfotografie.
Josh Flatow hat eine klassische Kochausbildung absolviert und arbeitet nach Stationen im In- und Ausland (u.a. St. John in London) als Rezeptentwickler und Foodstylist.
Die Optik
Die Fotografie ist auch hier besonders gut gelungen und vermittelt auf keinem einzigen Bild den Eindruck eines spröden Lehrbuchs. Dafür sorgt auch das sehr gelungene Styling.
Jedoch hätte man dem Buch ein wertigeres, mattes und festes Papier gewünscht. Das dünne-glatte schmälert das Erlebnis etwas.
Das Fazit
Dieses Buch hebt die Wurst auf den Thron, und das ist sehr verdient. Denn es ist, wie man es im Buch lernt: Es kann nur das rauskommen, was man reintut. In diesem Buch steckt jedenfalls sehr viel Gutes.













