Kochbuch-Rezension

Hand in Hand

Spitzenköche und Flüchtlinge gemeinsam am Herd

8,2 / 10
34,00 €

Das Kochbuch

Vier Studenten (Timo Wentzel, Mareike Boppert, Niclas Dommer, Pauk Aker) der Hotelfachschule Heidelberg hatten eine phänomenale Idee. Sie sind quer durch die Republik gefahren und haben Spitzenköche und deren Rezepte für dieses Projekt gewonnen: ein Kochbuch, das die Küche der Flüchtlinge mit der Spitzenküche zusammenbringt, das tolle Einblicke in ihre Heimat ermöglicht und deren Erlös obendrein für Flüchtlingsorganisationen gespendet wird. Aber auch ganz ohne den karitativen Zweck ist dies ein Buch, das allein durch die Fülle seiner hochkarätigen Rezepte jeden Euro wert ist.

Der Autor

Studenten, vor deren großartigem Einsatz und Engagement man nur den Hut ziehen kann. Chapeau! Die Rezepte stammen u. a. von den (ehemaligen und aktuellen) Sterneköchen Benjamin Peifer, Nils Henkel, Alfons Schuhbeck, Dieter Müller, Frank Oehler, Michael Kempf, Sascha Stemberg, Thomas Martin und Tohru Nakamura.

Die Zielgruppe

Zwei Voraussetzungen sollte man bestenfalls für dieses Buch erfüllen: Offenheit für andere Küchenkulturen und die Bereitschaft, sich auch für etwas aufwändigere Rezepte Zeit zu nehmen.

Die Rezepte

Die Studenten haben die Lieblingsgerichte der Flüchtlinge aufgeschrieben, die Spitzenköche haben sie anschließend mit ihrem Stil interpretiert. Ergebnis ist eine Fusionküche allererster Güte. Beispiele: geschmorte Milchlammschulter mit Safran, Pinienkernpüree und Bulgur /  Beef Tatar, Zitronenschalencreme, Currybiskuit und Kichererbsen oder Kaisergranat mit Taboulé und Gewürzjoghurt.

Der Schwierigkeitsgrad

Die Bandbreite ist groß und reicht von unkomplizierten Kleinigkeiten bis zu komplexen, mehrteiligen Gerichten, für die man mehrere Stunden veranschlagen muss.

Das beste Rezept

„Persischer Reis“ interpretiert von Peter Bogdanovic: Kardamomeis, Aprikosengel, Pistaziencrumble und Milchreiskugeln. Ein tolles Dessert mit orientalischen Noten.

Das Neue

Orient meets Sterneküche. Wo gibt´s bzw. gab´s das schon!?

Die Optik

Ganzseitige Portraitaufnahmen der Flüchtlinge und Köche, schöne Bilder der Gerichte. Runde Sache!

Die Struktur

Das Buch beinhaltet nicht nur Rezepte sondern auch Länder-Portraits, die Geschichten der Geflüchteten von Syrien über Iran bis Nepal. Spannend zu lesen, mindestens genauso spannend nachzukochen. Diese Länder kommen vor: Syrien, Irak, Iran, Afghanistan, Pakistan, Nepal, Marokko und Gambia.

Die Zutaten

Erstklassige Produkte, viele nicht alltägliche Gewürze. Mit dem Supermarkt kommt man da nicht hin. Aber so kann man eben schon beim Einkauf in neue Kulturen eintauchen!

Das Fazit

Wir sind nachhaltig beeindruckt. Von dem Engagement der Studenten, den Rezepten der Köche und nicht zuletzt den Geschichten der Geflüchteten. Letztere sind aber auf ganz andere Art beeindruckend und machen sehr nachdenklich.

Veröffentlicht am 17. Dezember 2016, überarbeitet am 17. Dezember 2016.
Bild
geschrieben von:
Benjamin Cordes
Benjamin Cordes ist Journalist und beschäftigt sich beruflich ausschließlich mit kulinarischen Themen. Als Autor recherchiert er Beiträge über die Qualität von Lebensmitteln und Restaurants für das NDR Fernsehen.

Kochbücher von Lutz Jäkel

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8,2 / 10
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